Wir leben in der Krise. Eigentlich kann und will man das C-Wort schon langsam nicht mehr hören und es wäre schön, den Blick wenigstens zwischendurch mal auf Positives zu richten.

Genau um das Positive soll es in dieser Blogparade gehen, denn an Krisen kann man zerbrechen oder wachsen. Das ist auch eine Frage der inneren Einstellung.

Ich selbst bin mit meinen fast 50 Jahren schon durch einige Krisen gegangen. Im nachhinein bin ich dankbar. Dankbar für jede einzelne Krise, aus der ich lernen und an der ich wachsen durfte. Ohne Krisen, wäre ich heute nicht die, die ich bin und eigentlich finde ich mich ganz OK, mit all meinen Fehlern und Macken.

Meine lehrreichste Krise

Wie schon auf meiner „Über mich – Seite“ angedeutet, war ich 2008 am Ende meiner, persönlich schwersten Krise. Gebeutelt durch meine MS, meine Selbstausbeutung und Überforderung saß ich im arbeitsunfähig und schwerbehindert im Rollstuhl. Am Ende meiner körperlichen und mentalen Kraft angekommen, war ich gezwungen umzulernen und zu meinem großen Glück nutzte ich die Chance.

Meine drei größten Erkenntnisse, die mich bis heute prägen sind: Akzeptanz, Annahme, Aus-/Umbau

Akzeptanz der bestehenden Grenze

All die Jahre, in denen es mir schlechter und schlechter ging, habe ich gegen meine stetig enger werdenden Grenzen gekämpft. Man darf ja nicht aufgeben, man muss stark sein, ich muss stark sein.

Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.

Ganz ehrlich: Wenn Du sowas glaubst, dann darfst Du anfangen diesen Glauben mal zu hinterfragen.

Wer kämpft, beißt die Zähne zusammen.
Wer kämpft ist hart und unnachgiebig.
Wer kämpft ist im Krieg.
Wer kämpft, verliert seine Flexibilität
Wer seine Flexibilität verliert, kann brechen.
Wer bricht… hat verloren.

Ich mag das Bild des Bambus. Der Bambus ist weich und flexibel.
Egal wie stark der Sturm weht, der Bambus gibt nach und wird durch seine Nachgiebigkeit quasi unverwüstlich.

Als ich akzeptierte, dass meine Situation ganz genauso war, wie sie sich darstellte, konnte ich anfangen in aller Ruhe Strategien zu entwickeln, die wirklich hilfreich waren.

Vor jeder Veränderung liegt die Analyse und Akzeptanz der aktuellen Situation.

Hilfe einfordern und annehmen

Ich brauchte keine Hilfe!!
Hilfe war für Schwache und ich war nicht schwach.
Ich konnte alles alleine schaffen was ich wollte!
Auch als ich schon im Rollstuhl saß, brauchte ich keine Hilfe!

Wenn ich jetzt zurückdenke, dann muss ich schon sehr grinsen. So ein bisschen habe ich mich benommen wie der schwarze Ritter . Egal, wie laut mein Körper mir mitteilte, dass ich meine Grenzen überschritt, egal wie viele schwere Schübe ich hatte: Ich war unbesiegbar und ich brauchte keine Hilfe!

Aber mein Körper war da sehr hartnäckig. Irgendwann war ich so krank, dass ich Hilfe annehmen musste.

Ich durfte lernen: Um Hilfe bitten, diese anzunehmen und damit einzugestehen, unperfekt zu sein ist eine große Stärke! Denn: Gemeinsam ist man immer viel besser, stärker und größer als wenn man alles alleine versucht und dabei vor die Hunde geht.

Grenzen behutsam abbauen

Wenn man Grenzen akzeptiert hat und gelernt hat Hilfe anzunehmen, dann kann man sich an den nächsten Lernschritt machen.

Ich durfte erfahren, dass ich auch dicke, hohe und scheinbar unüberwindbare Mauern abbauen kann, wenn ich mich ganz geduldig dran mache, einen Stein nach dem anderen heraus zu klopfen.

Und so fing ich zunächst mal an, jeden einzelnen Stein anzufassen und daran zu wackeln. Ich lernte, dass manche Steine sehr locker saßen und einfach herausgezogen werden konnten. Andere Steine waren wiederum sehr fest und brauchten weitaus mehr Geduld.

So baute ich Stück für Stück meine körperlichen Grenzen ab, indem ich probierte was zum Beispiel passiert, wenn ich meine Physiotherapie – Übungen täglich mache, mich gesünder ernähre, Pausen einhalte, Krafttraining mache, auf dem Laufband spaziere, anfange zu joggen und anderes. Ich lernte, dass das alles sehr gut funktionierte solange ich flexibel und achtsam im Rahmen meiner jeweiligen Möglichkeiten blieb. Auf die Art konnte ich den Rollstuhl immer häufiger stehen lassen, den Rollator auch und dann war tatsächlich der Moment gekommen: Ich lief ich in Hamburg den vollen Marathon und das auch noch in einer relativ guten Zeit, für eine kleine, eigentlich unsportliche Frau von Mitte 40.

an Krisen wachsen

Zieleinlauf Hamburg Marathon 2014

Mein Wachstum auch nach der Krise

Auf meinem rechten Unterarm habe ich ein Tattoo. In schnörkeliger Schrift steht dort die 42.195 – also die Zahl, welche für die Marathondistanz steht. Diese 42,195 Kilometer stehen für so viel mehr, als „nur“ für eine sportliche Leistung.

42.195 steht dafür, dass ich nahezu alles schaffen kann, wenn ich geduldig, achtsam und beständig dranbleibe.

Mittlerweile steht die 42.195 auch für meine bestandene Heilpraktikerpüfung und ganz aktuell steht sie dafür, dass ich auch durch die Corona Krise gehen werde ohne meine Selbständigkeit als Hypnosecoach und Heilpraktikerin für Psychotherapie aufgeben zu müssen.

So habe ich heute, mehr als 10 Jahre nach dem Tiefpunkt meiner schwersten Krise, ein so viel glücklicheres, erfüllteres und leichteres Leben, dass ich rückblickend mehr als nur dankbar bin. Dankbar bin ich vor allem auf meinen Körper, der mir so deutlich gezeigt hat, wie falsch die Fährte war, auf der ich mich befand.

Das war die Geschichte, wie ich an meiner Krise gewachsen bin. Jetzt bist Du dran!

Blogparade: An Krisen wachsen

Du hast einen Blog und bist auch schon durch Krisen gegangen, für welche Du rückblickend dankbar bist? Oder Du bist durch die aktuelle Corona Krise gezwungen worden, neue Wege zu gehen, die sich als durchaus gewinnbringend herausstellen? Du hast grundlegend eine positive Erfahrung im Zusammenhang mit Krisen gemacht? Super!!

Lass uns alles Positive rund ums Thema Krise sammeln und so Optimismus verbreiten! Krise ist schlimm, wenn man mittendrin steckt, aber für irgend etwas ist sie in der Regel gut.

Die Regeln für die Blogparade:

  1. Veröffentliche einen Beitrag zum Thema „An Krisen wachsen“ oder „Aus der Krise gelernt“ oder ähnliches, zum Thema gehörendes.
  2. Verlinke diese Blogparade, also diesen Artikel am Anfang Deines Beitrags.
  3. Hinterlasse hier einen Kommentar, in dem Du auf Deinen Artikel verlinkst.
  4. Die Blogparade läuft bis einschließlich 3. Mai 2020
  5. Am 4. Mai 2020 veröffentliche ich einen Artikel, in dem ich auf alle eingereichten Beiträge verweise und verlinke.

Ich wünsche uns ganz viel Spaß und freue mich schon auf Eure Erfahrungen.


Foto von Kyle Glenn auf Unsplash und privat