Die soziale Phobie ist die Furcht vor prüfender Betrachtung durch andere Menschen.
Die Angstreaktion setzt ein, sobald man sich unter Beobachtung fühlt

Die soziale Phobie: Mein Erfahrungsbericht

Ich war schon immer ein eher schüchternes Kind mit introvertierter Persönlichkeit. Viele Kontakte und Freunde brauchte ich nicht. Ich war glücklich, wenn ich mich mit einem Buch zurückziehen konnte. Vor anderen sprechen, in der Schule Referate halten? Och nö, lieber nicht. Irgendwie fühlte ich mich immer anders als all die lauten, selbstbewussten Menschen dort draußen. War aufgrund meiner frühen Einschulung jünger und körperlich kleiner als andere. Zudem fühlte ich mich auch und vor allem innerlich klein und ein bisschen doof und unbedeutend. Aber eigentlich war das OK für mich. Ich wäre zwar gerne mehr wie die anderen gewesen, sie wirkten so cool, so sicher und locker – doch ich war recht glücklich mit meinen Büchern und meinen wenigen Freunden. Die Momente, in denen es doof war, konnte ich wegblenden.

Wir spulen vor: Irgendwann ab dem Jahr 2000, nach der Geburt meiner jüngsten Tochter, rutschte ich in meine schwere Krise. Ob eine postpartale Depression auslösend war oder ob sich „einfach“ zu viele Dinge aufsummiert hatten, wir werden es nicht mehr klären können, denn: Da ich sehr lange nach außen hin funktionieren konnte und der Prozess schleichend ablief, befand ich mit erst 2002 bei einem Psychiater. Dort erhielt ich unter anderem die Diagnose „soziale Phobie“.

Wie äußerte sich meine soziale Phobie?

Ich hatte schlicht und ergreifend Angst vor Menschen. Angst vor sozialen Kontakten. Angst vor Gesprächen mit anderen. Ich fühlte mich beobachtet, konnte spüren wie mich andere schlecht bewerteten und über mich redeten. Ich war nichts wert. Das konnte in meiner Vorstellung jeder erkennen, der mich nur von weitem sah.

Es war mir unendlich peinlich. Ich war mir unendlich peinlich.

Mein Sozialleben fand mit Mann und Töchtern statt. Alles andere machte mir so viel Angst, dass ich es mied. Kontakte zu anderen Müttern, Gespräche mit Lehrern oder auch nur Nachbarn waren Stress. Zum Einkaufen begleitete mich streckenweise mein Mann, danach war ich fix und alle.

Meine Therapie fand zunächst in der Gruppe beim Psychiater statt, nachdem ich auf Antidepressiva eingestellt wurde. In der Gruppe lernte ich mit anderen zu sprechen, musste Meinung äußern und Feedback aushalten. Das half über die schlimmsten Hürden hinweg.

Auf Dauer für mich hilfreich und noch heilsamer als die Gruppe beim Psychiater, welche ich recht bald verließ: Das Internet. Ich fand ein Forum für Mütter, in welchem auch regionale Treffen verabredet wurden. In diesem Forum konnte ich mich zunächst -im sicheren Rahmen- schriftlich austauschen und annähern. Irgendwann traute ich mich auch auf Treffen mit Menschen, die ich dann ja schon kannte und diese Treffen waren dann mein endgültiger Weg raus aus der Phobie. Ich vollzog sowas ähnliches wie die systematische Desensibilisierung und lernte erst in meiner Ausbildung, was ich da eigentlich gemacht habe ohne es zu kennen.

Was sich hier so leicht liest, war ein Prozess über Jahre. Aus der massiven Angst wurden extreme Unsicherheiten, die mich noch lange begleiteten, stressten und einschränkten. Das geht auch schneller, aber ein weiteres meiner Themen war, keine Hilfe annehmen zu können und alles im Alleingang erledigen zu müssen. Das darf man anders machen, dann hat man es leichter.

Wie hat sich meine soziale Phobie entwickelt?

Heute bin ich noch immer ein introvertiertes Kind und das ist gut so.

Es muss auch die Leisen geben, sonst wäre die Welt zu laut. Die Leisen können gut hinhören, bekommen vieles mit, haben feine Antennen, sind da, auch wenn manch eine*r sie vielleicht gar nicht mitbekommt. Die Leisen sind gerne mal allein, brauchen das Alleinsein, um aufzutanken und sind sich selbst in der Regel genug.

Ich mag heute meine Introvertiertheit, kann sie durchaus als Vorteil sehen.

Der Unterschied zu früher: Wenn es mir wichtig ist, kann ich heute nach vorne treten, durchaus auch mal meine extrovertierte Seite zeigen, vor anderen sprechen, meine Meinung sicher vertreten. Vor allem weiß ich aber heute sehr sicher: Ich bin weder dumm, noch unbedeutend. Das ist es was den Unterschied macht.

Diesen letzten großen Schritt bin ich im Rahmen meiner Hypnoseausbildung und der damit zusammenhängenden Selbsterfahrung und Supervision gegangen. In der Hypnose konnte ich nochmal Themen bearbeiten, von denen ich gar nicht wusste, dass es Themen sind. Auf die Art konnten grundlegende Ursachen meiner verbliebenen Unsicherheiten ausgeräumt werden.

Soziale Phobie: Zahlen & Fakten

  • Die soziale Phobie gehört zu den Angststörungen. Angststörungen, sind neben Depressionen die am häufigsten verbreitete psychische Erkrankung. Rund 20% aller Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Angststörung. 7-12% aller Menschen erkranken an einer sozialen Phobie.
  • Die soziale Phobie kommt selten allein. Häufig tritt sie zum Beispiel in Verbindung mit Depressionen, weiteren Angststörungen oder Abhängigkeitserkrankungen auf.
  • Die Ursachen sind vielfältig, oft kommen verschiedenste Faktoren zusammen. Es gibt nicht den einen Auslöser. Der Übergang von einer schüchternen, zurückhaltenden Persönlichkeit hin zu der sozialen Phobie, verläuft oft schleichend und unbemerkt.
  • Typische Symptome
    • Angst sich zu blamieren und/ oder negativ bewertet zu werden.
    • allgemeine Angstsymptome wie schwitzen, zittern, Herzrasen, Brustenge, Mundtrockenheit, gedankliche Einengung auf die Angst, emotionale Belastung, Vermeidungsverhalten.
    • Erröten
    • Übelkeit, Angst zu erbrechen
    • Miktions- oder Defäkationsdrang beziehungsweise der Angst davor.

Ja, die soziale Phobie kann wirklich soweit gehen, dass man das Gefühl oder Angst bekommt, sich vor lauter Angst in die Hose zu machen. Für Betroffene ist das denkbar schrecklich.

Was tun bei sozialer Phobie?

Wie alle Angsterkrankungen, geht auch die soziale Phobie nicht von allein weg. Im Gegenteil: Je länger man sie hat, umso mehr breitet sie sich aus, umso größer wird die Angst, umso schwieriger wird es sie wieder loszuwerden.

Unbehandelte Angst chronifiziert und generalisiert. Sprich, sie ist gekommen um zu bleiben und sich auszubreiten.

Wenn Du von der sozialen Phobie betroffen bist

Es gibt eine gute Nachricht: Angst lässt sich sehr gut behandeln und vertreiben, wenn man es denn angeht.

Mit den Werkzeugen Hypnose & EMDR habe ich die Möglichkeit, dies auf recht sanftem und doch wirksamem Weg geschehen zu lassen. In meinem Artikel „Befreie Dich jetzt von Deiner Angst“ habe ich recht ausführlich darüber berichtet, welche Möglichkeiten ich in der Behandlung von Angststörungen habe. Bei der sozialen Phobie stünde zusätzlich ein gründlicher Selbstwertaufbau auf dem Programm.

Du musst auch gar nicht warten, bis es Dir schlecht genug geht, sondern darfst Dir schon Hilfe suchen, wenn Du Dich in irgendeiner Form nicht wohl fühlst.

  • Wenn Du unter Deinem geringen Selbstwert leidest,
  • wenn Du Dich am liebsten zurückziehen würdest,
  • wenn es Dir Angst und Bange wird, weil Du zum Beispiel im Meeting etwas sagen sollst und alle Dich angucken,
  • wenn es Dir nicht gut geht,

dann darf es Dir besser gehen. Denn Du bist es definitiv wert, dass es Dir gut geht. Auch wenn Du Dir das jetzt nur schwer vorstellen kannst. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich Dir berichten, dass es sich lohnt ohne Angst durchs Leben zu gehen.

Melde Dich gerne bei mir, für einen ersten unverbindlichen Austausch

Hast Du Fragen oder möchtest Du einfach erstmal nur darüber reden, wie es Dir geht?

Dann nutze doch sehr gerne mein Kontaktformular und wir vereinbaren einen kostenlosen Telefon-/ Infotermin. Gerne können wir uns auch schriftlich per Mail austauschen, wenn Dir das lieber ist. Auf meiner Über-mich Seite kannst Du schon vor der Kontaktaufnahme mehr über mich erfahren.

Wie können Angehörige helfen?

Wenn Du den Verdacht hast Angehörige oder auch Freunde könnten von sozialer Phobie betroffen sein und Dich fragst was Du tun kannst, dann wäre es zunächst mal schön, wenn Du zu nichts drängst. Auch nicht zu einer Therapie. Betroffene wissen zwar sehr genau, dass es ihnen nicht gut geht, sie mögen das aber nicht unbedingt direkt und mit der Keule von außen bestätigt bekommen. Immerhin gehört zum Krankheitsbild, die Angst unangenehm aufzufallen.

Du könntest aber

  • mitteilen, dass Du wahrnimmst wie der*die andere sich zurückzieht und leidet.
  • fragen ob Du irgendetwas tun kannst.
  • erzählen, dass Du da neulich was gelesen hast, was ganz spannend war und den Link schicken.
  • erwähnen, dass Therapie ja nichts ist wofür man sich schämen muss, weil wir ja alle mal in Krisen rutschen können und uns helfen lassen dürfen.
  • zusammen mit dem*der Betroffenen nach Therapiemöglichkeiten gucken, wenn er*sie es denn möchte.

Es gibt vieles das Du tun und erzählen kannst, aber bitte dränge niemanden zu einer Therapie.