Wir alle haben immer mal Stress. So ganz ist er nicht wegzudenken. Sei es im Beruf, im Familienleben und bei manchen sogar in der Freizeit. Das ist ja ansich nicht schlimm. Unser Körper und unsere Psyche halten das aus, sonst wären wir ausgestorben als wir einst vor den Säbelzahntigern flüchten mussten, denn das war wirklich massiver Stress. Zumindest stelle ich mir die Bedrohung durch einen Säbelzahntiger weitaus stressiger vor als die Bedrohung durch einen Chef, der mir Termindruck macht.

Heute haben wir keine Säbelzahntiger mehr, nichtmal das Mammut müssen wir selbst jagen und zerlegen und doch schreibt die pronova BKK  in Ihrem Presseportal:

Studie: 87 Prozent der Menschen in Deutschland sind gestresst.
Jeder Zweite glaubt, von Burnout bedroht zu sein.

Das sind erschreckende Zahlen und sie werden steigen. Wie kommt es, dass wir heute so gestresst sind, wo wir doch eigentlich in einer ziemlich sicheren Zeit mit ganz viel technischer Unterstützung leben? Was ist Stress eigentlich? Welche Folgen hat Stress und wie kann Hypnose etwas am Stress ändern? Darauf möchte ich in diesem Beitrag eingehen.

Was ist Stress?

Stress ist ein Ungleichgewicht zwischen äußeren Anforderungen und persönlichen Bewältigungsmöglichkeiten.

So lautet die Definition von Amboss – Medizinwissen, welche es für mich erstmal relativ klar auf den Punkt bringt. Habe ich Stress, bin ich überfordert von dem was ich gerade zu bewältigen habe. Weil es zu viel ist, weil der zur Verfügung stehende Zeitrahmen nicht ausreicht, weil ich Angst habe, weil ich Hunger habe, weil ich unausgeschlafen bin und so weiter. Warum auch immer.

Sollen, wollen und können passen nicht zusammen. Das sorgt für Anspannung und Stress.

Innere und äußere Stressoren

Was ich der Definition von Amboss unbedingt hinzufügen möchte sind die Worte „und inneren“. Denn: Oft sind es nicht die äußeren Anforderungen welche wir nicht bewältigen können. Oft sind es unsere eigenen, selbst auferlegten inneren Anforderungen, welche den größten Stress verursachen.

Um mal mich selbst als Beispiel zu nehmen: In der Zeit als meine Töchter noch klein waren hatte ich an mich selbst den Anspruch

  • perfekte Mutter zu sein, die Zeit hat zum spielen, backen, malen, basteln und natürlich nächtelang das kranke Kind in den Schlaf krault.
  • gutes, selbstgekochtes Essen und selbstgebackenes Brot auf den Tisch zu bringen.
  • einen perfekten Haushalt zu führen, in dem kein Krümel auf dem Boden lag und alles hygienisch rein war.
  • einen perfekten Garten und Vorgarten zu haben. Was sollen denn sonst die Nachbarn denken?
  • mich natürlich auch im Beruf durchzuboxen und hochzuarbeiten.

Niemand von außen hat diese perfektionistischen Ansprüche an mich gestellt. Ich wurde von meinem selbstgemachten Stressoren krank und durfte lernen meine inneren Ansprüche auf gesundes Niveau herunterzuschrauben.

Denn: Die eigenen, inneren Ansprüche sind die Stressoren auf die wir echten Einfluss haben. Die dürfen wir auf ihren Sinn überprüfen, runterschrauben und Prioritäten umsortieren. Ich bringe noch immer gerne gutes Essen auf den Tisch und habe als Mutter immer gerne alles gegeben. Aber mein Garten ist mittlerweile ein Naturgarten, über den die Nachbarn vermutlich den Kopf schütteln, dem Haus sieht man an, dass hier Hunde leben und der Job, der mich chronisch überforderte, wurde getauscht gegen einen Beruf der mich erfüllt.

Auf die äußeren Stressoren haben wir zunächst mal keinen Einfluss. Der Chef wird weiter Druck machen, die Schwiegermutter können wir auch nicht ändern, finanzielle Sorgen drücken zusätzlich, Termine müssen eingehalten werden und dann gibt es noch so vieles mehr, das bewältigt werden muss und unsere Möglichkeiten überfordert.

Was tun mit den äußeren Stressoren?

Wir können lernen Sie neu zu bewerten und damit sind wir wieder beim Säbelzahntiger.

Weder der Chef, noch die nervige Kollegin, noch der drängelnde Autofahrer und wahrscheinlich nicht einmal die finanziellen Sorgen haben -bei sachlicher Betrachtung- die Relevanz eines Säbelzahntigers. Und dennoch werden sie von uns genauso bewertet und lösen in uns genau die vegetativen Reaktionen aus, die einst der Säbelzahntiger auslöste: Der Sympatikus wird aktiviert, der Parasympatikus wird deaktiviert. Es werden Stresshormone ausgeschüttet, Puls und Blutdruck steigen, Glucose wird aus der Leber freigesetzt, die Muskelspannung nimmt zu – wir sind vorbereitet auf das was unser Überleben sichert: Flucht oder Angriff! 

Der Unterschied zu einst: In der Regel flüchten wir nicht und greifen auch nicht an. In der Regel schlucken wir sinnbildlich oder tatsächlich runter. In der Regel bekommt unser Körper nicht, wie einst bei der Flucht vor dem Säbelzahntiger die Gelegenheit den Stress abzubauen, sondern wir bleiben auf dem Bürostuhl sitzen und fallen am Ende des Tages aufs Sofa. Das Ergebnis ist eine Ansammlung von Stress.

Warum sind wir heute so sehr gestresst?

  • Wir legen uns zusätzlich zu den äußeren, nicht beeinflussbaren Stressoren, noch innere Stressoren auf und maximieren somit den Stress.
  • Wir bewerten die Stressoren von heute mit der gleichen Relevanz, wie einst den Säbelzahntiger und zeigen die gleiche Reaktionen.
  • Wir tun zu wenig um Stresshormone und Anspannung abzubauen. Somit kommt es zu einer Ansammlung von Stress und irgendwann läuft das sprichwörtliche Fass über.

Welche Folgen kann Stress haben?

Die Folgen des Stresses kennst Du, sonst würdest Du nicht bis hierhin lesen. Die Symptome sind so vielfältig wie Menschen unterschiedlich sind. Oft finden sich Symptome auf den Ebenen: Kognition, Emotion, Verhalten und Körper . Manchmal fängt es leicht und unscheinbar an. Wird der Stress weiter ignoriert sammelt es sich weiter an. Dann kann die Liste länger werden und die Symptome stärker.

Typische Warnsignale die auf Dauerstress hindeuten können:

  • Schlafstörungen
  • Übernervosität
  • Gereiztheit
  • Konzentrationsstörungen
  • Herz-/ Kreislaufprobleme
  • Rückenschmerzen
  • Magen-/ Darmprobleme
  • Antriebslosigkeit
  • Rastlosigkeit
  • Erschöpfung
  • Unfähigkeit zu entspannen
  • emotionales Essen
  • Appetitlosigkeit
  • Libidoverlust
  • ständige Infekte
  • verstärkte Autoimmunreaktionen

Wie hilft Hypnose bei Stress?

Im Hypnosecoaching gehe ich immer individuell und in der Regel von verschiedenen Seiten an das Thema heran. Ein Schema-F mag ich nicht entwerfen. Aber dennoch habe ich natürlich einen groben Fahrplan.

    1. Analyse: Bevor wir in die Hypnose gehen, habe ich viele Fragen. Wir müssen wissen wo wir stehen und wo die Reise hingehen soll, um zielgerichtet arbeiten zu können.
    2. Das System mal runterfahren: Tiefe hypnotische Entspannung kann für sich schon ganz viel bewirken. Klienten berichten, eine halbe Stunde hypnotische Tiefenentspannung sei so erholsam wie ein Wellnesswochenende.
    3. Inneren Stress reduzieren: Perfektionismus, Selbstzweifel, Ängste, Panik, Ernährungsstress und so vieles anderes mehr. Gerade die inneren Stressoren können uns sehr krank machen. In der Hypnose können wir Deine inneren Stressoren, die Du vielleicht noch gar nicht kennen, identifizieren und effektiv mit ihnen arbeiten. In hektischen Zeiten wie diesen, müssen wir uns mit dem inneren Stress nun wirklich nicht auch noch abmühen. In meinem Werkzeugkoffer befinden sich, je nach Art des Stressors, verschiedene Mittel um Deinen inneren Stress zu reduzieren.
    4. Umgang mit äußeren Stressoren: Die Welt ist kein Ponyhof. Irgendwer oder irgendwas kann da immer mal von außen stressen. Das können wir nicht ändern. Was wir aber ändern können, ist Dein Umgang mit diesen Stressoren. Es ist nicht notwendig, dass Du jedes Mal das komplette System hochfährst, wenn Du auf einen Stressor triffst. Du darfst Gelassenheit lernen und leben.
    5. Ausgleich schaffen: Was tut Dir gut? Wir finden es heraus.
    6. Hausaufgaben: Ohne Deine Mitarbeit ist Veränderung nicht gut möglich. In den Hypnosesitzungen knüpfen wir neue, zarte neuronale Netze. In der Zeit zwischen den Sitzungen darfst Du diese Netze festigen. Das Gute daran: Diese Hausaufgaben sind keine Arbeit, sondern als Teil der Entstressung zu sehen.

Fazit: Garantien gibt es niemals, aber wir haben mit der Unterstützung hypnotischer Interventionen gute Chancen, Deinen Stress zu reduzieren und in Zukunft kleiner zu halten.

Zusammenfassung

  1. Stress ist, wenn innere und äußere Anforderungen nicht erfüllt werden können.
  2. Ein großer Teil des Stresses ist innerer Stress und somit selbstgemacht.
  3. Man muss nicht jeden äußeren Stressor zum Säbelzahntiger werden lassen. Gelassenheit kann man lernen.
  4. Hypnose ist durch die hypnotische Trance ansich schon heilsam. Zudem kann mit den verschiedensten Werkzeugen individuell am Umgang mit Stress gearbeitet werden.