Wie Corona für mich und meine Arbeit von der Krise zur Chance wurde

Jede Veränderung, jede Neuorientierung verläuft in 4 Phasen. In der Psychologie spricht man von den 4 Trauerphasen, die im sogenannten Trauerjahr durchlaufen werden. Aber nicht nur, wenn es um den Verlust eines geliebten Menschen geht, durchlaufen wir diese Phasen. Auch wenn einschneidende Geschehnisse, wie zum Beispiel gerade der Corona Virus eine Veränderung erzwingen, durchläuft der Mensch diese Phasen. Werden diese Phasen nicht durchlaufen oder bleibt man in einer Phase stecken, so kann das zu einer Anpassungsstörung werden, muss aber natürlich nicht. Bei vielen Menschen ist gerade zu beobachten, dass sie in der Phase der Ignoranz steckengeblieben sind, andere stecken in der Emotion. Viele werden alle Phasen durchlaufen, manche bleiben irgendwo stecken, nicht alle sind bereit sich zu wandeln.

Aber es soll jetzt nicht um die anderen gehen. Ich mag das Modell „4 Phasen der Veränderung“ nutzen um zu erzählen was Corona in den letzten Tagen (Wochen) in meiner Gedankenwelt und mit meinen Emotionen angestellt hat.

Phase 1: Ignoranz

Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen.

Wie wir alle wissen, fing Corona in China an. Mich interessierte das ungefähr so sehr wie der berühmte Sack Reis. Corona kam nach Europa, in Italien wurde Ausgangssperre verhängt, in den Nachrichten und Sozial Media nur noch Corona. Ich war immer noch bei dem Sack Reis: Mich betrifft Corona nicht, ich bekomme das nicht und selbst wenn: Hey, ich habe letztes Jahr Influenza geschafft, ich werde auch noch mit Corona fertig, ist doch nur ’ne Erkältung. Meine Tochter ist Risikogruppe, mein Vater und meine Schwiegermutter natürlich auch. Wird schon alles gut werden.

Phase 2: Emotion

Zuerst Schreckstarre

Ende letzter Woche kam es bei mir an. Mit den ersten #flatternthecurve und #staythefuckhome Meldungen, wurde mir schlagartig bewusst wie groß der Mist eigentlich ist, der da auf uns zukommt. Ich fiel ungefähr einen Tag in Schreckstarre, versuchte mich kurz weiter mit Ignoranz, wissend dass das nicht funktionieren kann. Also schaute ich hin, las all die Meldungen, die ich zuvor ignoriert hatte, informierte mich umfassend.

Dann kurz die Emotionen

Angst um meine Töchter

Vor allem kam Angst um die Tochter, die zur Risikogruppe gehört und die immer noch fröhlich ihrem Sozialleben nachging und in Hamburg mit öffentlichen Verkehrsmitteln umherfuhr. Aber auch Angst um meine große Tochter, die was von Halskratzen schrieb. Angst um meinen Vater und meine Schwiegermutter. Angst, wie das alles werden wird.

Sorge um meine Einnahmen und so viele Unsicherheiten

Ich arbeite zu 100% offline. Live im 1:1 Hypnosecoaching mit meinen Klienten in meinem Praxisraum. Das ist es was ich liebe, das ist es was ich tun möchte. Wie soll ich meine Miete, für den frisch eingerichteten Raum zahlen, wenn ich das was mein Bauch mir eigentlich sagte umsetze und konsequent zu Hause bleibe? Wie kann ich tun, was ich so sehr liebe, wenn ich den Kontakt zu Menschen meide?

Die Angst konnte ich sehr schnell loslassen. Angst frisst Seele auf und ist ein schlechter Ratgeber. An Ihre Stelle trat die Liebe und die Dankbarkeit. Ich war und bin unfassbar dankbar, dass meine Tochter die Sache des sozialen Rückzugs mittlerweile genau so ernst nimmt wie ich. Ich bin dankbar, dass wir uns hier in unserer Höhle so gut verstehen und ergänzen.

Die Sorge darum, wie es mit meiner Arbeit weitergehen soll, die begleitete mich am Wochenende noch weiter.

Dazu kamen noch andere Unsicherheiten. Ich hatte für die nächsten Wochenenden einige Fortbildungen gebucht, auf die ich mich sehr gefreut habe. Sollte ich die wirklich sausen lassen? Mein Kopf rotierte. Mein Verantwortungsgefühl konkurierte mit meinem Freiheitsbedürfnis und dem Wunsch unbedingt zu diesen Fortbildungen zu gehen.

Phase 3: Loslassen und Abschied nehmen

Wir wissen mittlerweile, wie die Geschichte mit den Fortbildungen weiterging. Ich hatte gerade für mich die Entscheidung getroffen, dass Verantwortungsbewusstsein über Freiheitsbedürfnis steht. Innerlich hatte ich die Veranstaltungen am Samstagmorgen abgesagt, als nach und nach die Absagen der Veranstalter eintrudelten.

Bezüglich meiner Arbeit drehte ich mich bis Mittwoch noch ein bisschen im Kreis. Auf der einen Seite fing ich schon am Montag mit dem Loslassen und Neustarten an, indem ich mich mit Kollegen über die Möglichkeit der Onlinehypnose austauschte. Damit zog ich in Betracht, was ich bis dahin ausgeschlossen hatte, ließ also bereits alte Denkstrukturen los.  Auf der anderen Seite konnte ich keine klare Entscheidung bezüglich der bestehenden Kliententermine in der Praxis treffen. Es freute sich der Bauch über jede eintrudelnde Absage, während der Kopf sich über jede eintrudelnde Absage und den Verlust der Einnahmen sorgte.

Mein beobachtender Verstand schaute sich meine Zerrissenheit von außen an und ließ mich am Mittwoch endlich eine klare Entscheidung treffen: Verantwortung schlägt kurzfristige Einnahmen. Ich sagte alle noch offenen Termine ab, machte danach einen sehr langen Spaziergang auf dem ich vorübergehend Abschied von der Praxis nahm. Am Ende des Spaziergangs sagte ich zu meinem Mann „Vielleicht ist der Sinn dahinter, dass ich mich jetzt endlich mal darum kümmere ein Online Business aufzubauen um nach der Krise on- und offline arbeiten zu können. Vielleicht soll ich ja daran wachsen.“

Ich glaube fest daran, dass jede Krise einen Sinn hat. Und ich glaube, meinen persönlichen Sinn in dieser Krise gefunden zu haben. Mit dem Glauben an meinen Sinn, war ich fertig mit Phase 1 – 3. Ich hatte fertig ignoriert, war fertig mit der Angst und der Sorge. Auch das bisschen Wut auf den blöden Virus und all die, die sich nicht richtig verhalten war erledigt. Selbst die Trauer darum, nicht so arbeiten zu können, wie ich doch aber will war abgeschlossen.

Phase 4: Neustart

Es fing ja in Teilen schon am Montag an, als ich mich informierte und austauschte, wie Hypnose online funktionieren kann. Es ging weiter am Dienstag, als ich mit einer Probandin online arbeitete und lernte, dass Online Hypnose sehr gut funktioniert. Endgültig und vollständig angekommen im Neustart bin ich gestern. Also sehr genau eine Woche nachdem sich mein Denken dahingehend drehte, dass Corona wirklich ein Problem ist, welches mich betrifft.

Was ist jetzt anders, was wird jetzt anders?

Aktuell arbeite ich, gefühlt an 95 Baustellen gleichzeitig und selten arbeite ich mal nicht. Gestern habe ich zum Beispiel

  • eine Kooperation angeregt.
  • ein Herzensding zu einem Angebot werden lassen.
  • unentgeltliche Arbeit, zum Nutzen eines Herzensprojektes angeboten und eingetütet.
  • meine komplette Webseite vom Sie ins Du übersetzt (Ich möchte es bei meiner Arbeit persönlich, voller Vertrauen und in Leichtigkeit haben. Das kann nicht gut im distanzierten Sie stattfinden) und gleichzeitig hier und da herumgefeilt.
  • allen technischen Widerständen zum Trotz das Thema „Newsletter“ angegangen
  • Webinare zum Thema Newslettering, Online Marketing geschaut
  • ganz viel über die Möglichkeiten online zu arbeiten gelernt

Emotional bin ich jetzt ruhig und ausgeglichen. Ich gewöhne mich an meine Jogginghose. Genieße es, so viel mit Mann und Tochter zusammen zu sein. Finde es spannend, wie sich mein Fokus dreht und bin vor allem neugierig aufgeregt, wie und ob ich es schaffen werde, meine Nische in der großen Welt des Online Business zu finden.

Meine Ideen werden dabei immer konkreter. Ich möchte online Workshops zum Thema „gelassener Umgang mit Stress“ (Arbeitstitel) halten und natürlich möchte ich, jetzt wo ich weiß dass und wie es geht online Hypnosecoachings machen. Es gilt Reichweite auf- und auszubauen und technische Hürden zu überwinden. Ich freue mich darauf!

Und irgendwann. Ja irgendwann wird die Welt sich neu sortiert haben und alles hat sich beruhigt. Wir werden dann vielleicht wissen wozu es gut war, wir werden wissen dass alles irgendwie wieder gut wurde.

Bis es soweit ist: Ruhe bewahren, zu Hause bleiben, um Ecken denken, Chancen sehen und nutzen! 



PS: Jeder Blogbeitrag braucht ein Foto. Nun habe ich überlegt ob ich ein Foto von mir mache. Aber ne, echt nicht. Ich genieße mein Schlotterleben im Homeoffice nämlich so sehr, dass ich ungeschminkt mit zerzausten Haaren, im Lotterlook hier sitze und mich freue, dass ich mich nicht zeigen muss. Wer sich das nun bildlich vorstellen möchte ist herzlich eingeladen das zu tun. Alle anderen dürfen mit dem Bild von Gerd Altmann auf Pixabay vorlieb nehmen, welches ich ausgesucht habe 🙂


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