0151 - 2910 3338 mail@angela-brauer.de

Kennst Du diese inneren Konflikte? Wenn Du eine Entscheidung nicht treffen kannst, weil da mindestens zwei Herzen in Deiner Brust schlagen? Wenn Du ein Vorhaben nicht umsetzen kannst, weil Du innerlich blockiert bist.

Die Theorie des inneren Teams setzt genau dort an. Wir sind nicht alleine in uns. Wir sind nicht “so”. Unsere Persönlichkeit besteht aus vielen kleinen Teil-Persönlichkeiten, die alle für sich eine wichtige Aufgabe haben.

Sind diese inneren Anteile bekannt, können wir sie wunderbar einsetzen.

Entscheidungen treffen, Vorhaben umsetzen, Emotion regulieren – das und vieles mehr gelingt besser, wenn das innere Team mitspielt. Dennoch können uns die inneren Anteile bisweilen auch irre machen. Wenn ein Anteil zu viel Raum und Macht bekommt, während ein anderer Anteil nicht gesehen wird. So wie das halt ist in einem Team: Arbeiten alle gut zusammen, funktioniert es super. Springen einige aus der Reihe, wird es schwer.

Ich möchte Dir in diesem Artikel mein inneres Team, beziehungsweise einen Teil davon vorstellen und Dir beispielhaft aufzeigen, wie mithilfe der Teilearbeit innere Konflikte gelöst werden können.

Mein inneres Team, dieser Artikel und ich

Der innere Antreiber

Ich habe einen starken inneren Antreiber, nennen wir ihn Uwe. Uwe ist der Meinung, dass ich ein hohes Leistungsvermögen habe und stets das Beste geben sollte. Er treibt mich voran, macht dass ich morgens aufstehe und mich an die Arbeit mache. Der ist so groß und stark, dass ich mit ihm schon einige Ziele erreicht habe. Zum Beispiel hat er mich bis zum Marathon, durch die Heilpraktikerprüfung und vieles mehr gebracht. Uwe ist toll! Sein Anliegen: Ich soll Großes erreichen. Mein Problem mit ihm: Er möchte mich über meine Grenzen prügeln und gönnt mir keine Pausen oder Schwächen.

Der innere Saboteur

Dann ist da noch Hugo. Hugo ist mein innerer Saboteur. Hugo sorgt dafür, dass ich Pausen einlege und träumend aus dem Fenster schaue, statt meine Buchhaltung fertig zu machen. Hugo schickt mich zu den sozialen Medien und lässt mich dort meine Zeit vergeuden. Hugo verhindert, dass ich ein angedachtes Podcastprojekt umsetze, indem er mich tagelang nach dem richtigen Mikrofon, dem perfekten Jingle und ähnlichen Unwichtigkeiten googeln lässt. Hugo kann sogar machen, dass ich unfassbar müde werde, wenn ich doch eigentlich einen neuen Blogartikel oder ein Podcastsrcipt schreiben möchte. Auch bei anstehender Hausarbeit macht mir Hugo sehr viel Müdigkeit, die danach wie durch ein Wunder verflogen ist.

Hugo ist der Verhinderer. Er ist der Gegenspieler meines inneren Antreibers. Aber: Hugo ist ein putziger und liebvoller Kerl. Hugo möchte, dass ich mich nicht übernehme. Er meint es nur gut und sorgt dafür, dass ich meine Grenzen nicht überrenne, denn das wäre nicht gut für meine Gesundheit. Hugo passt gut auf mich auf. Nur manchmal übertreibt er ziemlich.

Die innere Kritikerin

Liselotte ist meine innere Kritikerin. Liselotte sitzt beständig auf meiner Schulter und nörgelt vor sich hin. Dieser Text hier, der sei doch viel zu belanglos meint sie. Ich müsste erst nochmal einige Stunden recherchieren, bevor ich mir herausnehme einen Blogartikel zu schreiben, sonst wird das nicht korrekt. Natürlich muss dieser Blogartikel, für eine gute Google Sichtbarkeit mindestens tausend Wörter haben und diese tausend Wörter müssen schon ausformuliert sein, bevor ich überhaupt anfange zu schreiben. Einfach mal machen geht für Liselotte gar nicht!  Die Überschrift ist übrigens Mist und Keywords: Wieder keine Keywords recherchiert und geschickt im Text untergebracht. “Lösch das alles, was Du bis hierhin geschrieben hast, mach das nochmal neu.”

Man könnte meinen Liselotte wär ‘ne blöde Kuh, die ich unbedingt verbannen müsste. Aber Liselotte meint es ebenfalls nur gut. Sie möchte, ähnlich wie mein innerer Antreiber, dass ich mein Bestes gebe. Sie wünscht sich, dass das was ich tue wirklich gut wird. Sie glaubt so sehr an mich, dass sie die allerbesten Ergebnisse von mir erwartet. Liselotte will mich vor allem aber auch schützen. Sie kritisiert mich so sehr, damit niemand von außen Kritik an mir übt. Sie will meinen Erfolg, sie will Anerkennung, sie will die Nicht-Angreifbarkeit und dafür schwingt sie die Peitsche.

Die inneren Kinder

Mein inneres Kind ist etwa 3 Jahre alt. Sie mag Hugo, aber sie hat Angst vor Liselotte. Uwe findet sie ein bisschen doof – wobei Uwe manchmal auch coole, weil verrückte und lustige Ideen hatte. Wie damals, als er uns durch Schlamm- und Hindernissläufe getrieben hat. Das war lustig, meint die kleine Angela. Wenn Liselotte rumzetert, dann setzt sie sich aber in die Ecke, zieht sich die Decke über den Kopf und macht gar nichts mehr. Wer nichts macht, macht nichts falsch. Mein inneres Kind ist sensibel und braucht meinen Schutz.

Merke ich nicht rechtzeitig, dass mein inneres Kind Schutz braucht, wird meine innere Teenagerin wütend, denn niemand hat das Recht die kleine Angela zu verletzen. Sie zetert und trotzt rum. Findet, dass die Sache mit der ständigen Arbeit Schwachsinn ist, lieber soll ich mal das Leben chillen! Auf Liselotte reagiert sie ganz besonders empfindlich. Da kann es schon mal passieren, dass sie die Arme verschränkt und überhaupt gar nichts mehr macht. Sie ist ja eh zu blöd für all das.

Hugo stimmt der Teenagerin fröhlich zu. Die Sache mit dem chillen gefällt ihm und Liselotte finden alle doof. Außer Uwe.

Wenn Du bis hierhin gelesen hast und nun glaubst, ich hätte ein Problem in der Form von „mein Freund Harvey“, dann kann ich Dich beruhigen. Ich bin zwar manchmal ein bisschen verrückt, aber eigentlich geht es mir gut.

Die Theorie der inneren Anteile

Was ich hier beschreibe ist ein Ausschnitt aus der systemischen Beratung und Therapie. Der systemische Ansatz geht davon aus, dass der Mensch kein für sich stehendes Individuum ist, sondern Teil eines Systems, welches sich gegenseitig bedingt. Zu dem System eines Menschen gehört die Familie, Bekannte, Freunde, Kollegen, aber auch Haustiere – also das gesamte Umfeld. Auch die  seelischen Konflikte eines Menschen sind Teil dieses Systems und können nur unter Einbeziehung aller Beteiligten gelöst werden.

Ein weiterer Teil der Systemik -und darum geht es in diesem Artikel- ist die Arbeit mit dem inneren Team, auch Teilearbeit genannt. Die Teilearbeit geht davon aus, dass wir nicht nur eine Persönlichkeit sind. Eher vereinen wir viele unterschiedliche Persönlichkeitstypen in uns, welche sich in unterschiedlichen Wünschen, Launen, Absichten aber auch Handlungskompetenzen zeigen.

Ein „so bin ich nunmal“ kann es nach dieser Theorie nicht geben. Wenn man mal genau hinschaut, dann ist dem auch so: Niemand von uns ist immer und jeden Tag gleich. Bestimmt kennst Du es auch, wenn Du eine bestimmte Entscheidung nur sehr schwer treffen kannst, weil eine Seite von Dir etwas anderes will, als die andere Seite. Oder Du willst eigentlich etwas erledigen, tust es aber doch nicht, weil Dich etwas blockiert.

In der Regel muss der innere Schweinehund herhalten, wenn man sich wieder nicht zum Sport aufraffen oder die Diät durchhalten konnte. Der innere Schweinhund wird von vielen Menschen beschimpft und gilt als schuldig, wenn man nicht umsetzen konnte, was man doch eigentlich wollte. Den will man bekämpfen, dressieren, wegschicken, einsperren. Wenn man den inneren Schweinhund erstmal im Griff hat, dann – ja dann kann man alles schaffen, so glauben viele.

Persönlich glaube ich nicht an die Existenz eines inneren Schweinehundes und schon dreimal nicht, glaube ich, dass es Sinn ergibt den einzusperren, wegzuscheuchen oder sonstwie zu bekämpfen.

Positive Absichten des inneren Teams

Auch wenn es manchmal nicht so scheint: All unsere Anteile haben positive Absichten. Der Kritiker, der Zweifler, der Nörgler, der Saboteur, der Antreiber und meinetwegen auch der Schweinehund – Wie auch immer wir die Anteile nennen mögen, die uns in innere Konflikte stürzen und/ oder ausbremsen: Sie alle wollen nur unser Bestes. Unseren Erfolg, unsere Gesundheit, unser Wohlergehen, unser Glück.

Von daher wäre es fatal, einen Anteil auszusperren, zumal das auch gar nicht möglich ist. Diese Anteile, sie sind ja keine eigenständigen Persönlichkeiten, sondern Teil von uns. Sie gehören zu uns, zu unserer Persönlichkeit. Sperren wir einen Teil unserer Persönlichkeit aus, geraten wir in einen Konflikt, den wir nicht lösen können. Wir sind dann unvollständig, das System gerät aus dem Gleichgewicht. Oder wieder beispielhaft: Niemand will den ewig motzenden Hausmeister im grauen Kittel zum Freund, aber niemand käme auf die Idee ihn wegzuschicken, denn: Der miesepetrige Kerl wird spätestens dann gebraucht, wenn es etwas zu reparieren gibt. Man täte also gut daran, sich irgendwie mit dem zu arrangieren.

Was tun bei inneren Konflikten?

Was also tun, wenn wir im inneren Konflikt sind?
Was tun, wenn uns ein Anteil ausbremst und uns nicht lässt, wie wir doch eigentlich wollen?

Mit dem inneren Team ist es wie mit jedem anderen Team auch. Eine:r muss die Führung in die Hand nehmen und den Teammitgliedern im Zweifel sagen, wo die Reise hingehen soll. Damit das System als ganzes funktioniert. Es braucht also einen Chef, eine Teamleitung und das bin ich, bist Du, ist der erwachsene Anteil von uns. Der Teil, der rationale Entscheidungen trifft nimmt das Ruder in die Hand und leitet die Truppe.

Teameetings, Kompromisse und Aufgabenverteilung

Treten Konflikte auf, kann und sollte die Teamleitung,  Teammeetings einberufen, klare Ansagen machen und Aufgaben verteilen. Auch können und müssen Kompromisse zwischen den einzelnen Teammitgliedern gefunden werden.

Meine Lösung um diesen Beitrag in Ruhe schreiben zu können: Ich habe Hugo und Liselotte um Geduld gebeten und in die Pause geschickt. Die Kinder dürfen derweil leise spielen, denn das hier ist mal langweiliger Erwachsenenkrams. Ich möchte diesen Artikel gerne fertig haben, also brauche ich Uwe, der darf mir dabei helfen. Während ich hier ja nun aber schon eine Weile schreibe, höre ich wieder Hugo und ja, er hat recht. Ich sollte Pause machen, etwas essen und vor allem trinken.

Dieser Artikel bleibt im ersten Entwurf liegen. Morgen schaue ich nochmal zusammen mit Liselotte drüber und entscheide, welche ihrer Kritiken ich annehme und an welcher Stelle ich Hugos „chill mal locker“ gelten lasse. Die Kinder –  sind dran, wenn ich auf der Mittagsrunde Quatschkrams mit den Hunden mache oder wieder lauthals und schief im Auto singe.

Auch wenn mein inneres Team oftmals äußerst unterschiedliche Ideen hat: Die Entscheidungen treffe ich und die kann ich (immer häufiger) so klar treffen, weil ich die positiven Absichten meines Teams kenne und (immer häufiger) für mich nutzen kann.

Wie ist das bei Dir? Kennst Du diese inneren Konflikte, die einen so oft ausbremsen oder auch mal kirre machen können? Kennst Du Dein inneres Team und vor allem ihre positiven Absichten? Weißt Du, wie Du diese positiven Absichten für Dich nutzen kannst?

Ich freue mich über Deinen Kommentar mit Deinen Fragen, Deiner Meinung oder Erfahrung.


Hat Dir dieser Artikel gefallen und Du möchtest keinen weitern Artikel verpassen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Du bekommst Du regelmäßig-unregelmäßig News, Infos, Impulse und (kostenlose) Angebote von mir.

PS: Dort oben im Bild siehst Du übrigens ein Abbild von Hugo. Hugo sieht für mich so aus: Zottelig, lustig, lieb. Da ich weiß, dass Hugo seinen Job gerne mal ein bisschen zu ernst nimmt, sitzt er jetzt auf meinem Schreibtisch und wann immer mein Blick auf ihn fällt, muss ich grinsen und der Drang nach Prokrastination verfliegt.

Wenn Du Dein inneres Team besser kennenlernen möchtest: Melde Dich sehr gerne bei mir. Du kannst dafür gerne mein Kontaktformular nutzen, welches Du hier findest oder Du buchst in meinem Online Kalender einen Termin für ein kostenloses Infotelefonat, bei dem wir alles besprechen können.


 

2 Kommentare

  1. Liebe Angela,
    Deine Betrachtungsweise gefällt mir sehr gut und ich werde auf die Suche nach meinen Anteilen gehen. Ihnen Namen zu geben ist so genial . Ich liebe Herausforderungen dieser Art! Hab vielen Dank dafür!

    Antworten
    • Liebe Margaretha,

      es freut mich sehr, dass Du mir folgen konntest und vor allem freut es mich, dass Du mich nicht für verrückt erklärst 🙂

      Den Anteilen Namen zu geben erleichtert die Sache in sofern, als dass man sie besser personifizieren und von daher auch sortieren kann. Meine haben zudem auch alle Gesichter 🙂

      Ich wünsche Dir ganz viel Spaß beim erkennen und sortieren!

      Viele liebe Grüße
      Angela

      Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.